Kultur

Die unterschiedlichen Ethnien Ugandas weisen eine große kulturelle Vielfalt auf. Während die Bambuti und Batwa als eine bedrohte und diskriminierte Minderheit im Westen des Landes leben, sind ihre Nachbarn, die Batooro in einem Königreich organisiert, wiederum die Bakonjo und Bamba leben in den Ruwenzoribergen und sollen vom Mount Elgon ausgewandert sein. Vater und Sohn benutzten früher bei der Jagd eine wortlose Kommunikation mit Pfeiftönen. 

Während in einigen Ethnien die Beschneidung der jungen Männer beim Eintritt ins Erwachsenenalter üblich ist, werden bei den Ethnien der Sabiny in der Region Kapchorwa, bei den Pokot und den Tepeth in Karamoja, die Frauen beschnitten. Diese Praktiken wirksam zu bekämpfen ist nicht einfach, solange man die sozio-kulturellen Wurzeln nicht kennt und dort ansetzt. Doch immer häufiger begehren Betroffene auf und gehen gegen das grausame Ritual an die Öffentlichkeit. Immerhin ist die Genitalverstümmelung seit 2009 in Uganda verboten, es drohen bis zu 10 Jahren Haft bei Zuwiderhandlungen. Als Folge wird das Ritual nun von einigen Familien in Kenia ausgeführt, versteckt in Maisfeldern, von hygienischen Bedingungen kann keine Rede sein.  

Ein grausames Ritual breitet sich immer weiter aus: Wunderheiler töten Kinder, ihre Körperteile sollen für die Kunden Gesundheit und vor allem finanziellen Erfolg bringen. Ugandas Bauboom fördert die grausame Praxis, denn soll ein Gebäude Erfolg bringen, werden Kinder darunter begraben. Eine Spezialeinheit der Polizei ist seit Jahren mit der Bekämpfung der grausamen Praxis betraut, doch Korruption und Mangel an Mitteln schränken ihre Arbeit stark ein. In jeder Ethnie findet die traditionelle Hochzeit, also das Aushandeln des Brautpreises, auf unterschiedliche Art statt. In Ankole wurden und werden zum Teil immer noch die Bräute mit Milch gemästet, bis sie dick genug waren. 

Seit über 600 Jahren stellen Handwerker des Ngonge Clan in Buganda ein Rindentuch, das sog. Barkcloth, her; früher für den Gebrauch der königlichen Familie heute auch für touristische Zwecke. Die UNESCO nahm das rare Handwerk auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. 

Ugandas Museen 

Bereits 1908 wurde das Uganda Museum in Kampala gegründet. Bis heute gilt es als eine der Hauptattraktionen Kampalas. Neben ethnologischen, anthropologischen und vielen historischen Objekten finden sich auch Fahrzeuge der ehemaligen Präsidenten. Interessant sind die wechselnden Ausstellungen. In den letzten Jahren haben sich jedoch auch in vielen kleineren Städten wie z. B. Moroto, Kabale oder Gulu kleine aber zum Teil sehr sehenswerte Community Museen entwickelt. 

Traditionelles Theater, Musik, Film, Kunst und Sport 

Der verbreitetste Kulturträger in Uganda ist das Theater. Das Ndere Dev› Theatre wird als erstes Kulturprojekt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützt. 

Fast jede ugandische Ethnie hat ihre eigene traditionelle Musik, ihre Instrumente, Tänze, Kostüme und Texte. Einige traditionelle Tänze sind bereits von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Weit verbreitet ist die Trommel, in Südwestuganda auch Engoma genannt. Ihr Klangkörper ist oftmals so groß wie ein Fass und mit Kuhhaut bespannt. In Zentraluganda ist das Xylophon weit verbreitet. Das Volk der Madi im Nordwesten des Landes hingegen spielt gerne lyrische Musik.  

Allerdings spielt heute die moderne Musik eine große Rolle. Manche Kids, v.a. in Kampala, haben Breakdance und Hip Hop für sich entdeckt. In einem Projekt wird versucht, damit marginalisierte Jugendliche zu erreichen. 

Ugandas aufstrebende Filmindustrie Wakaliwood produziert in Kampalas Slums neuerdings Actionfilme mit kleinstem Budget und oftmals Pfannen und Auspuffrohren als Waffen, mit viel Blut, das mittlerweile kein Schweineblut mehr ist, sondern aus Farbe besteht. 

Ugandas internationales Filmfestival Amakulu findet nach mehrjähriger Pause erneut statt, jetzt gänzlich unter ugandischer Leitung. Als neue Zielgruppe werden nun Kinder mit Cartoons angesprochen, denn die Fernseher werden in Uganda immer mehr und davor sitzen vorwiegend Kinder. 

Ein Film aus Uganda «Call me Kuchu» erhielt im Jahr 2012 den entwicklungspolitischen Filmpreis «Cinema fairbindet». Er wird seit 2011 jedes Jahr vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Kooperation mit der Berlinale vergeben. Der Film handelt von den tagtäglichen Schwierigkeiten Homosexueller in Uganda.  

Die orale Tradition spielte und spielt seit Urzeiten eine große Rolle in Uganda. Abends wurden am Feuer die Geschichten von Generation zu Generation erzählt. Heute findet dies noch teilweise statt, allerdings gewinnt die formale Erziehung und moderne Unterhaltung an Bedeutung. 

Im Bereich Literatur hat Uganda einige bedeutende Schriftsteller zu bieten. Okot P´Bitek aus Gulu galt als einer der bedeutendsten Dichter Afrikas. In seinen Stücken «Song of Lawino», «Song of Ocol» und «Two songs» beschäftigt er sich mit den Gegensätzen von Moderne und Tradition. Eigentlich wollte Moses Isegawa Kardinal werden, doch schließlich landete er in den Niederlanden. In seinem 

Werk «Die Schlangengrube» beschäftigt er sich mit Intrigen und Korruption während des Amin-Regimes. Der Roman «Abessinische Chronik» beschreibt einen jungen Mann von seiner Kindheit bis zur Auswanderung nach Europa, Einblicke in Korruption, Nepotismus und innerafrikanische ethnische Konflikte inklusive. Jennifer Nansubuga gewann mit ihrer Familiensaga Kintu, die im vorkolonialen Buganda beginnt und versucht Tradition mit der modernen Welt zu verbinden.

Sehr vielfältig ist Ugandas Kunsthandwerk, angefangen von handwerklich gekonnt gefertigten Dachkonstruktionen, über Tonware, kunstvoll geflochtene Matten oder Körben bis hin zu filigran gefertigtem Schmuck. Bilder ugandischer Künstler findet man in Kampala regelmäßig bei Ausstellungen in den Galerien. Inzwischen finden eine Vielzahl von Konzerten, Festivals oder Workshops in Kampala, aber auch in kleineren Städten, statt. 

Die 19-jährige Studentin Jan Mukuiibi wurde Miss Uganda 2017. Eine ihrer Vorgängerinnen, Leah Kalanguka, musste nicht nur ihre Schönheit zur Schau stellen, sondern auch ihr landwirtschaftliches Können, wie Schweine säubern oder Kühe melken. Schließlich sollen sie helfen, die landwirtschaftlichen Produkte des Landes zu vermarkten. 

Vor allem bei Ugandas Jugend sind sportliche Aktivitäten sehr beliebt. An den Schulen werden Sport und Spiele angeboten. In der Freizeit lieben es viele Jugendliche zu kicken bzw. sich sportlich zu betätigen. Aus Mangel an Ausstattung und Förderung jedoch gelingt es leider nicht vielen Karriere zu machen. Als erster Olympiasieger Ugandas lief der aus Lira stammende Akii-Bua 1972 in München die 400 m Hürden der Männer in Weltrekordzeit. Erst 2012 gelang Stephan Kiprotech aus Kapchorwa ein erneuter Sieg, er gewann die Goldmedaille im Marathon in London. 

Im August 2020 gewann Joshua Cheptegai, ebenfalls aus Kapchorwa, in Monaco den Weltrekord im 5000 Meter Lauf. Im Oktober desselben Jahres gewann der 19 jährige Jacob Kiplimo, ebenfalls aus der Region des Mount Elgon im Osten des Landes, den Weltmeistertitel im Halbmarathon.  

Kleidung 

Die erste Kleidung in Uganda war den Königen vorbehalten. Das sog. Barkcloth, wurde und wird bis heute, aus Baumrinde gewonnen. Dabei wird der Baum nicht gefällt, die Rinde wächst nach. Inzwischen steht das Handwerk auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Heute wird es für kulturelle Zwecke, als Totengewand und als Kunsthandwerk genutzt. Im Alltag ist die Kleidung in Uganda der unsrigen oftmals sehr ähnlich. Doch für Feste, oder auch in ländlichen Gegenden findet man oftmals Frauen mit Busuti, einem weiten langen Kleid, oder Männer mit Kanzu, einem weißen Gewand. 

Doch gerade in den Städten wächst eine Generation junger Frauen heran, die offen ist für eine neue aber afrikanische Mode. Modemacher wie Sylvia Owori nutzen diese Chance und kombinieren afrikanische Stoffe mit modernen Schnitten und erreichen damit ein großes Publikum, Arbeitsplätze für lokale Schneiderinnen inklusive. 

Jedoch an Miniröcke dürfen sich Uganderinnen nun nicht mehr heranwagen: Im Rahmen des im Jahr 2014 verabschiedeten Anti-Pornografie-Gesetzes ist freizügige Kleidung verboten. 

Im Oktober 2019 wurde nun festgeschrieben, dass sich Zivilisten nicht wie Soldaten kleiden dürfen. Grund dafür ist sicher das rote Béret, das Markenzeichen von Oppositionspolitiker Bobi Wine. Auf 30 Seiten wurde die Kleiderordnung des Militärs nun festgeschrieben, Zivilisten dürfen sich nicht damit erwischen lassen, sonst droht ihnen eine Haftstrafe, im schlimmsten Fall gar lebenslänglich.  

Deutsch-ugandische Kulturbeziehungen 

Uganda und Deutschland verbinden eine langjährige Kooperation in den Bereichen Kultur, Sport und Bildung. Dazu gehört die Förderung der deutschen Sprache genauso wie der Austausch in Wissenschaft und im Hochschulwesen unter anderem durch die Vergabe von DAAD-Stipendien. An zehn Sekundarschulen und drei Universitäten wird Deutsch als Fach unterrichtet. Des Weiteren findet eine starke Kooperation im sportlichen Bereich statt.

Aus der Ugandan German Cultural Society entstand 2008 das Goethe Zentrum in Kampala und ist in der Bukoto Street in Kamwokya zu finden. Angeboten werden Kulturveranstaltungen, Theater, Sprachprogramme u.v.m.  

Religion 

Die europäischen Missionare hatten im vorletzten Jahrhundert auch Uganda zum Schauplatz europäischer Differenzen gemacht. Sie lieferten sich bei der Missionierung einen Wettlauf entlang von Stammesgrenzen, was zu einer weiteren Vertiefung der Gegensätze führte. Auch in Afrika galt: wie der Herr, so’s Geschärr. Der bugandische König Mutesa wurde beispielsweise katholisch, also wurden es seine Untertanen auch. Über Jahrzehnte vermischten sich traditionelle- und Weltreligionen, meist ohne große Probleme.  

In Uganda ist durch die Verfassung und Gesetze die Religionsfreiheit garantiert. Jedoch kam es in letzter Zeit, vor allem aus Furcht vor Rekrutierung von Terrormitgliedern, zu einzelnen Verhaftungen von Scheichs und Mitgliedern von religiösen Minderheiten. Die am meisten verbreitete Religion stellt das Christentum mit über 85 %. Schätzungen lauten: Römisch-katholisch 39,3 %, Anglikaner 32 %, Anhänger von Pfingstkirchen 11 %, sunnitische Muslime 13,7 %, Anhänger traditioneller Religionen 0,1 %. Die evangelikalen Pfingstbewegungen erhalten durch amerikanischen Einfluss derzeit starken Zulauf. So wird auch die Anti-Gay Kampagne vorwiegend aus diesen Kreisen unterhalten und finanziert.

Die Texte stammen vom Länderportal der GIZ, welches vom Netz genommen ist. Verfasser ist die Sozialmanagerin Gertrud Schweizer-Ehrler. Die Urheber wurden informiert, dass auf meiner Tourismusseite zu Uganda die Inhalte veröffentlicht werden.